Colditz schlägt sich selbst

4. November 2023

Wenn der HFC Colditz in dieser Saison aufläuft, rappelt es in der Kiste. Nach 9 Spieltagen und einem Schnitt von 3,6 eigenen Toren gehört man zu den Top 3 Mannschaften der Liga in der Offensive. Die große Baustelle für Kunert und sein Team ist und bleibt aber die Defensive – mit 19 Gegentoren hinkt man der Konkurrenz deutlich hinterher. Das beste Beispiel dafür war wieder das Spiel gegen Großenhain, wo man am Ende mit 4:5 unterlag.

Beide Mannschaften begannen mit einer hohen Intensität und zeigten schon früh, dass es für die Zuschauer interessant werden wird. Bereits nach 4 Minuten klingelte es erstmals im Colditzer Kasten. Bei einem Klärungsversuch eines HFC-Verteidigers im eigenen Strafraum köpfte dieser direkt auf den Kopf von Paul Konrad Witschel, der aufgrund des kurzen Abstands garnicht mehr reagieren konnte, aber den Führungstreffer erzielte – ein Tor der Marke “Ping-Pong”. Noch vor dem ersten Viertel drehte Colditz jedoch das Spiel und brachte sich auch mental in die bessere Position. Mit zwei sehenswerten Angriffen und fast identischen Toren brachte man sich selbst in Front. Zunächst brach Justin Lungwitz über die rechte Seite bis fast zur Grundlinie durch, um den Ball perfekt ins Zentrum zu Nicolai Goll zu passen, der stark vollenden konnte. (12.) Vertauschte Rollen dann beim zweiten Treffer, als der Vorlagengeber Goll auf Lungwitz passte – 2:1. (21.) Zwei schnelle und zielstrebige Angriffe über die Außenbahn: so will das Kunert sehen und seine Mannschaft lieferte. Dem Treffer zur zwischenzeitlichen Führung vorausgegangen war noch eine gute Möglichkeit durch Marc Schikowski der auch von Goll in Szene gesetzt wurde, aber aussichtsreich verzog. (20.) Diese viertel Stunde war die vielleicht beste Phase des Spiels für die Heimmannschaft, denn Colditz ließ keine Luft ran und schnürte Großenhain förmlich ein. Genau in dieser Phase, wo man die Weichen auf den eigenen Sieg stellen konnte, brachte man sich durch individuelle Fehler im Abwehrverbund selbst um den verdienten Lohn. Der Großenhainer Martin Brunzel schnürte binnen vier Minuten einen lupenreinen Hattrick und brachte sein Team damit auf die Siegerstraße – binnen 4 Minuten! (34. 36. 38) Ohne Brunzel die individuelle Stärke abzusprechen, aber die Colditzer Verteidiger machten es ihm in dieser Phase auch furchtbar leicht. Zunächst ließen sie den Torschützen nach einem tiefen Pass von Stanley Ott sträflich allein stehen, um zwei Minuten später den gleichen Fehler beim Vorlagengeber Witschel zu wiederholen. Auch bei dem dritten Treffer, dem ein Eckball von Konstantin Hänsel vorausgegangen war, ließen die Colditzer Verteidiger Brunzel an der Strafraumgrenze zu viel Platz. Und ein Mann seiner Klasse weiß diese individuellen Fehler eben eiskalt auszunutzen. Kunert dazu äußerst diplomatisch: “Unser Offensivspiel ist schon recht ordentlich, das Defensivverhalten ist aber noch ausbaufähig.“ Im Inneren wird es aber in ihm gekocht haben. “Wenn man 3 oder 4 Gegentreffer kassiert, wird es irgendwann schwer, Spiele zu gewinnen.” An diesem Tag wurden es sogar 5, denn direkt nach Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit konnte Colditz einen weiten Einwurf nicht verteidigen und der Torschütze zum Auftakt konnte erneut treffen – Witschel zum 5:2 aus Großenhainer Sicht.(47.) Bei diesem Spielstand waren alle Messen gelesen. Was man der jungen Colditzer Mannschaft aber definitiv zu Gute halten muss, war die Reaktion auf dieses deutliche Zwischenergebnis. Viele Mannschaften brechen bei diesem Spielstand und so viel Restspielzeit noch auseinander. Die Kunert-Schützlinge machten aber direkt das Gegenteil. In einer hitzigen Schlussphase brachten sie die Zuschauer hinter sich und sich selbst nochmal ins Spiel zurück. Ausgangspunkt war ein perfekt getretener Demmler-Freistoß aus rund 18m der unhaltbar für Paul Hauke im Netz landete. (89.) Da war er wieder dieser Max Demmler der immer irgendwie zwischen Genie und Wahnsinn hin und herzuspringen scheint. Das bei 9 Minuten Nachspielzeit einsetzende Colditzer Powerplay brachte die

Hausherren wirklich nochmal an den Rand eines Punktgewinns. Auch weil Routinier Nicolai Goll mit seinem zweiten Treffer des Tages sein für ihn persönlich gutes Spiel zum 4:5 für seine Mannschaft krönte. (90.+3) Wie beim Handball spielten die Gastgeber nur noch um den Strafraum der Gäste herum ein echtes Powerplay, um den entscheidenden Ball in den Strafraum und im Anschluss ins Tor zu bringen. Dies gelang nicht, auch wenn der eingewechselte Kevin Moratzky dazu per Kopf noch seine Möglichkeit bekam. Der Schlusspfiff aus der Pfeife von Christopher Gentz war für die Gäste auf Grund der Nachspielzeit schon eine kleine Erlösung. Dennoch fand Kunert nach der Partie an seine Mannschaft noch ein paar mahnende Worte: “Wir müssen uns in manchen Situationen mehr wehren, und konsequenter vor allem in der individuellen Zweikampfführung sein.” “Im Schnitt zwei Gegentore pro Spiel ist mir eindeutig zu viel.”

Colditz: Reichelt-Schirner ab 83. Morgenstern-Schikowski ab 66. Voigtländer-Schmidt-Mörtlbauer-Köhler-Goll-Demmler-Reißig-Lungwitz ab 78. Neuhaus-Zaltzberg ab 68. Moratzky

Foto: Jens Seifert

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